Gestärkt aus der Krise? Neue Partnerschaft zwischen privatem und öffentlichem Sektor

Am 4. Juni 2009 fand unsere Fachveranstaltung zum aktuellen Thema Wirtschaftskrise statt. Entsprechend der Kernkompetenz der act MC, der Gestaltung von Strukturen und Prozessen in großen Unternehmen und Organisationen, ergänzten wir die derzeit breit geführte volkswirtschaftliche Diskussion um organisatorische Aspekte des Themas. Daher standen die durch die Krise veränderten Prozesse der Steuerung, Zusammenarbeit und Kontrolle an neuen und veränderten Schnittstellen zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor im Fokus der Betrachtung. Namhafte Experten aus Industrie, Energiewirtschaft, Gesundheitssektor und öffentlicher Verwaltung trafen im Wiener Haus der Musik auf ein interessiertes und sachkundiges Publikum.

Dr. FriedrichDr. Gerhard Friedrich, Geschäftsführer der act MC, analysierte in seinem Einleitungsvortrag die unerwartete Wendung des Konzeptes Public Private Partnership: derzeit kommt das Geld aus dem öffentlichen Sektor. Sein Thema war dann die Rückführung der finanziellen Verpflichtungen durch Entlastung der öffentlichen Budgets. Letztlich kann das nur durch gravierende Veränderungen von Strukturen und Geschäftsprozessen gelingen. Shared Services für alle Supportprozesse (so z.B. Inkasso und Exkasso, Zustellung,  IT) seien ein geeigneter Ansatz, man müsse dabei aber in den Köpfen der Politiker und Beamten die Entkoppelung von Entscheidungskompetenz und Durchführung vollziehen. Am Beispiel der Schulorganisation zeigte er dann, dass enorme Effizienzsteigerungen möglich sind, ohne dass Abstriche bei der Qualität gemacht werden müssen.  Sie können die Vortragsunterlagen hier herunterladen.

 Mag. HochriesserMag. Erika Hochrieser von der Frauenthal Holding AG sprach vom Jahr 2008 als ein Jahr der Gegensätze, das einerseits von ansteigendem Wachstum und abrupt abfallenden Umsätzen im vierten Quartal geprägt war. Als Zulieferer von LKW-Herstellern war Frauenthal hier besonders betroffen. Allerdings hatte man schon früher in andere Branchen investiert, die sich als weitgehend krisenresistent erweisen, den Ausfall in der Automobilbranche aber nicht voll kompensieren können.

Die kreativen Maßnahmen in Zusammenarbeit mit dem AMS zur Sicherung von Standorten und qualifizierter Mitarbeiter zeichneten ein eindrucksvolles Bild von der betriebswirtschaftlichen und sozialen Verantwortung des Unternehmens. Die gute Eigenkapitalausstattung und langfristig gesicherte Fremdfinanzierung - eine in den letzten Jahren oft vernachlässigte Tugend unternehmerischen Handelns - erwiesen sich als entscheidende Basis für die Bewältigung der Krise.   

DI GauggDipl.Ing. Harald Gaugg, Geschäftsführer des Gesundheitsfonds Steiermark, wies auf die bekannten Strukturprobleme durch das Übergewicht der stationären Versorgung hin und zeigte, dass diese systemimmanent sind. Die oft propagierte Lösung einer "Finanzierung aus einer Hand" sieht er allerdings kritisch, eine gemeinsame Finanzierung gesundheitlicher Investitionen sieht er als den besseren Ansatz. Dafür bieten sich Großgeräte, Dialyse, Medikamente, Labor, präoperative Befundung und ambulante Leistungen an.

Bei allen Gefahren für die Finanzierbarkeit der gesundheitlichen Versorgung für alle Schichten der Bevölkerung kann die Krise aber auch als Chance für eine Strukturbereinigung gesehen werden. Die Voraussetzungen dafür sind gut, denn es gibt derzeit Überkapazitäten, aber gleichzeitig einen hohen Qualitätsstandard und hohe Akzeptanz in der Bevölkerung gegenüber Gesundheitsthemen.

Mag. Grüneis Mag. Robert Grüneis, Geschäftsführer der Wien Energie GmbH, ging zunächst auf die wechselhaften Entwicklungen der Rohstoff- und Energiepreise ein, die langfristige Planungen immer wieder in Frage stellen. Andererseits treffe die aktuelle Krise die Energiebranche nicht so stark wie es bei anderen Branchen der Fall ist. Damit bleibt Raum für Investionen, die in beachtlichen Größenordnungen getätigt werden und so auch zur Wirtschaftsbelebung beitragen. 

Aus strategischer Sicht sei es wichtig, die bestehenden Partnerschaften zu stärken und weiter zu entwickeln, die auch den Zugang zu Erzeugungskapazitäten sichern sollen. Die Realisierung von Wachstumschancen und der selektive Ausbau des Kerngeschäftes stehen ebenso auf der Agenda des Top-Managements wie die Sicherstellung der Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit durch optimierten Einsatz der bestehenden Ressourcen. Gerade wenn in der Krise die Märkte kompetitiver werden, sind zufriedene Kunden und ein wachstumsorientierter Vertrieb zentrale Erfolgsfaktoren.

Dr. WinterDr. Arthur Winter, verantwortlich für die IT-Unterstützung der Geschäftsprozesse des Bundesministeriums für Finanzen, konnte in seinem Abschlussvortrag auf umfassende Services des Bundesministeriums für Finanzen für alle Wirtschaftsbeteiligten verweisen. Die Bündelung von Meldepflichten der Unternehmen stellen spürbare Entlastungen für die Unternehmen dar, so z.B. der Entfall einer gesonderten Übermittlung der Bilanz an Finanzamt und Handelsgericht.

Mit der Schaffung eines Unternehmensserviceportals wird ein weiterer großer Schritt zu einer effizienten Verfahrensabwicklung gemacht: Informationen, die einmal auf diesem Weg übermittelt werden, dürfen von keiner Verwaltungsorganisation nochmals angefordert werden. Zudem entfallen unterschiedliche Identifikationsverfahren, was auch verwaltungsinternen Verwaltungs- und Kontrollaufwand reduziert.  Eine verstärkte Serviceorientierung der öffentlichen Verwaltung für alle Beteiligten fasste er mit dem Leitbild des "One Stop E-Governments“ zusammen. Abgestimmte Prozesse und Abläufe sowie ein effektives Schnittstellenmanagement über verschiedene Organisationen hinweg stehen künftig im Zentrum der Bemühungen.

Die abschließende Diskussion moderierte act MC Partner Mag. Werner Kolarik. Als zentrale Frage kristallisierte sich das Thema Optimismus versus Pessimismus heraus. Bei aller berechtigten Sorge über die künftige Entwicklung stimmten die Vortragenden überein, dass eine optimistische Grundeinstellung notwendiger Bestandteil der Krisenbewältigung sein müsse.

Die kunstvolle musikalische Darbietung des Wiener Imperialquartetts leitete der Conferencier und Geigenvirtuose Bence Csaranko. Er verstand es, mit Anekdoten über „Haydn und seine Zeit“ das Auditorium auch nach dem intensiven Vortragsprogramm in seinen Bann zu ziehen. Der informelle Ausklang am Buffet rundete schließlich das Programm ab.

Lassen Sie die Veranstaltung Revue passieren mit einer Slideshow.

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