Projektmanagement
Am 31. Mai 2007 fand unsere Fachveranstaltung zum zeitlosen Thema „Die Kunst des Projektmanagements – Jeder kann es, kann es jeder?“ statt. Den Rahmen bildete diesmal des BA-CA Kunstforum mit der Ausstellung „Eros in der Kunst der Moderne“. Über 100 Teilnehmer verfolgten die Vorträge und beteiligten sich zahlreich an der anschließenden Diskussion.
Der Einführungsvortrag von Mag. Günter Bauer, Mitglied der Geschäftsleitung der act MC gab einen Überblick über die verschiedenen Aspekte des Themas auf Grundlage unserer Beratungserfahrung in zahlreichen Projekten. Besonders ging Günter Bauer auf das Zusammenspiel von Hard- und Soft-Facts des Projektmanagements ein. Je besser die "Pflicht" der Hard-Facts beherrscht wird, umso stärker wird die Beherrschung der Soft-Facts wie Kommunikation und Motivation zum kritischen Erfolgsfaktor. Den Vortrag gibt es als Download hier.
Herr Vorstandsdirektor Mag. Christian Domany gab einen eindrucksvollen Praxisbericht zu den Projekten des Flughafen Wien, die sich durch das besonders stark ausgeprägte öffentliche Interesse auszeichnen. Die Vielfalt an Beteiligten, die außerhalb des Einflussbereiches der Projektauftraggeber und Projektmanager liegen, können nur durch ein professionelles Stakeholder-Management so eingebunden werden, dass der Erfolg des Projektes auch gegen Widerstände erreicht werden kann.
Dem in vielen Unternehmen und Organisationen als problematisch empfundenen Bereich der IT-Projekte widmete sich Herr Dipl.Ing. Werner Heinisser von der Agrarmarkt Austria (AMA). Eindrucksvoll konnte er zeigen, wie durch eine konsequente Umsetzung von Standards sowie eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Anwendern, die den Projektleiter stellen, eine nahezu 100-prozentige Erfolgsquote erreicht werden kann. Da der AMA durch Verzögerungen von IT-Projekten signifikante Förderbeträge der EU verloren gehen würden, kann die IT einen Erfolgsbeitrag leisten, wie er in anderen Organisationen oft nicht sichtbar wird.
Aus seiner langjährigen Erfahrung mit Kostensenkungsprojekten in der Versicherungsbranche berichtete Vorstandsdirektor Dr. Hubert Schultes, ab 2008 Generaldirektor der Niederösterreichischen Versicherung AG. Er machte deutlich, dass bei ambitionierten und von einer Konzernzentrale vorgegebenen Einsparungszielen eine Besetzung der Projektteams mit Betroffenen unmöglich ist. Besonders betonte er die Notwendigkeit einer raschen Klärung, wer auch nach der Einsparung bleiben wird und wer nicht, da man sonst bei angenommen 25 % Personalreduktion nicht nur diese, sondern auch die 75 % der von der Personalreduktion gar nicht persönlich betroffenen Mitarbeiter verunsichere und demotiviere.
Die Komplexität eines Projekt-Programms, also eine große Zahl inhaltlich miteinander verzahnter Projekte zu managen, stellt spezifische Herausforderungen an den Programm-Manager dar. Herr Brigadier Mag. Hans Hamberger, mitverantwortlich für die Umsetzung des Bundesheerreformkonzeptes ÖBH 2010 im Bundesministerium für Landesverteidigung illustrierte anhand der Programmsystematik mit den Phasen Initiierung - Analyse - Sollkonzeption - Realisierung - Abschluss die Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Projekten bzw. Projektphasen. Augenmerk legte er weiters auf die einzelnen Zeitpunkte zur Notwendigkeit einer Programmsteuerung und die Unverzichtbarkeit einer Priorisierung wenn es gilt, ein bestimmtes Ziel bei begrenzten Ressourcen auch bei geänderten Umfeldbedingungen erreichen zu wollen.
Wenn es um die Selektion und Priorisierung des gesamten Projektportfolios eines Unternehmens geht, sind wiederum andere Zugangsweisen relevant. Herr Ulrich Aigner von den Austrian Airlines (AUA) hat für alle IT-Projekte des Unternehmens ein methodisch ausgereiftes System implementiert. Auch wenn diese Methodik von großer Bedeutung für die Effizienz des Verfahrens ist, wurde auch hier klar, dass ohne den Rückhalt der obersten Unternehmensleitung kein nachhaltiger Erfolg erzielt werden kann. Letztlich also wieder ein Einflussfaktor aus der Kategorie der Soft-Facts, der sich als entscheidend erweist.
Die Abschlussdiskussion wurde von Dr. Gerhard Friedrich, Geschäftsführer der act MC moderiert. Auf die Frage, ob Standardisierung über alle Projekttypen hinweg möglich und sinnvoll sei, konnte keine einfache Antwort gefunden werden. Letztlich einigte man sich darauf, dass wo immer möglich, Standards zu definieren und vor allem durchzusetzen seien, damit Raum bleibt für die notwendige Flexibilität in Sondersituationen oder bei Projekten mit besonderen Anforderungen. Einig war man sich, dass die klassische Projektmanagement-Ausbildung im Bereich der Planungs- und Steuerungsmethodik einen hohen Reifegrad erreicht hat, es aber keine fundierte und standardisierte Ausbildung in den psychologischen Aspekten gibt. Hier sei man als Projektmanager immer noch auf Intuition und Erfahrungslernen angewiesen.

Nach der angeregten Diskussion bot der Besuch der Ausstellung einen weiteren Höhepunkt des Tages. Der Ausklang am Buffet mit zahlreichen informellen Gesprächen rundete diese erfolgreiche Veranstaltung ab.
Lassen Sie die Veranstaltung Revue passieren mit einer Slideshow.
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