Qualität ohne Kompromisse


Im Museum Leopold, wo die viel beachtete Ausstellung zu "Edvard Munch und das Unheilmliche" stattfindet, haben wir am 2. Dezember 2009 eine Fachveranstaltung speziell für den Gesundheitssektor durchgeführt. Zentrales Thema war die Frage der Qualität medizinischer Leistungen und insbesondere die Minimierung von Risiken für die PatientInnen. Mehr als 70 EntscheidungsträgerInnen aus allen Sektoren des Österreichischen Gesundheitswesens sind unserer Einladung gefolgt und haben sich mit dem qualitätsvollen Thema auseinandergesetzt.

 

Mag. BauerMag. Günter Bauer, Partner der act MC und verantwortlich für die Betreuung unserer Kunden im Gesundheitswesen, beschrieb in seiner Einleitung das langjährige Engagement der act MC in dieser Branche. Basierend auf zahlreichen Projekten im Sozialversicherungsbereich wurde seit 2005 systematisch in den Kompetenzaufbau im Bereich der Gesundheitseinrichtungen investiert. Wir freuen uns, dass act MC mittlerweile auf beachtliche Referenzen und zahlreiche erfolgreiche Projekte im Health Care Sektor verweisen kann. Die nunmehrige Partnerschaft mit Joint Commission International (JCI) ist weltweit die erste Partnerschaft dieser Art. act MC kann Ihnen somit in Österreich exklusive Beratungsleistungen unter Nutzung des Know-Hows der JCI sowie Einbindung ihrer Experten anbieten.

 

Van Ostenberg DDS, MSPaul van Ostenberg, DDS, MS, Senior Executive Director und bei Joint Commission International zuständig für internationale Akkreditierungen und Standardentwicklung gab eine eindrucksvolle Übersicht der weltweiten Aktivitäten der JCI. Ausgangspunkt ist die im Jahr 1951 in Chicago gegründete Joint Commission. Derzeit sind über 15.000 Gesundheitseinrichtungen in den USA nach ihren Richtlinien zertifiziert. Mit der Gründung der Joint Commission International 1998 wurde bewusst der Schritt zu einer Internationalisierung beschritten und mittlerweile sind die Standards der JCI in 13 Sprachen übersetzt. In 35 Ländern sind mehr als 300 Gesundheitseinrichtungen nach JCI zertifiziert. JCI ist auch offizieller Partner der WHO für den Bereich Patientensicherheitslösungen. Ein wesentliches Ergebnis aus dieser Kooperation sind die sechs internationalen Patientensicherheitsziele, die jede Gesundheitseinrichtung sofort ein- und umsetzen kann.

Die Unterlagen zu diesem Vortrag finden Sie hier.


Ramponi MD, MBACarlo Ramponi, MD, MBA, Managing Director des European International Office der JCI widmete sich dem Weg von Gesundheitseinrichtungen zur Erfüllung der Anforderungen für eine Zertifizierung durch JCI. Als erste Annäherung bieten sich unter anderem die "Essentials" an. Diese sind ein Rahmenwerk, das konkrete und unmittelbar umsetzbare organisatorische Maßnahmen in ausgesuchten Themenstellungen definiert. Ebenso bieten sich die internationalen Patientensicherheitsziele zur Implementierung an. Hier setzt auch die Zusammenarbeit von act MC mit JCI an: durch Nutzung des umfassenden und auf die Gegebenheiten des Gesundheitswesens abgestimmten Know-Hows können in jedem Bereich einer Gesundheitseinrichtung wesentliche Verbesserungen der Leistungsqualität und damit der Patientensicherheit erreicht werden - ohne das Rad erneut erfinden zu müssen. Am Ende eines solchen Verbesserungsprozesses kann die Zertifizierung durch JCI stehen. Eine Zertifizierung durch JCI muss allerdings alle Bereiche der Einrichtung umfassen, mit denen PatientInnen direkt oder indirekt in Berührung kommen. Zertifizierungen von Teilbereichen (z.B. nur Labor, Wäscherei etc.) werden daher von JCI nicht durchgeführt, da auf diese Weise die Erreichung der Patientensicherheitsziele nicht sichergestellt werden kann.

 

Fiausch MSc.Kornelia Fiausch, MSc, Pflegedirektorin des LKH Villach, einem nach JCI zertifizierten Krankenhaus, berichtete über ihre Erfahrungen mit der Akkreditierung nach JCI. Die Entscheidung für JCI erfolgte in einem sorgfältigen Evaluierungsprozess. Ein wesentlicher Grund für die Entscheidung war die exklusive professionelle Ausrichtung auf das Gesundheitswesen ("von Health Professionals für Health Professionals"). Somit war keine Adaptierung an die Erfordernisse des LKH Villach notwendig, sondern es konnte "sofort" mit der Arbeit begonnen werden. Inhaltlich überzeugte der Ansatz der JCI durch seinen Fokus auf die Maximierung des Patientennutzens und die umfassende Berücksichtigung der Patientenrechte und der Patientensicherheit. Anhand konkreter Beispiele schilderte Frau Direktor Fiausch die eingesetzten Qualitätswerkzeuge. Es werden zwei komplementäre Zugänge zur Identifikation von Verbesserungspotenzialen gewählt. Einerseits wird der Weg von PatientInnen durch die Einrichtung verfolgt („Patienten-Tracer“), andererseits werden bestimmte Prozesse nachvollzogen („System-Tracer“) wie z.B. das Handling von Medikamenten, der Umgang mit Daten oder auch mit Infektionen. Das Qualitätssystem nach JCI – so das Resümée von Frau Direktor Fiausch – ist auch in Österreich ohne Einschränkungen anwendbar und sorgt für mehr Effizienz, Qualität und Sicherheit im Interesse der PatientInnen aber auch der MitarbeiterInnen von Gesundheitseinrichtungen.

 

Dr. BachingerDie Perspektive der PatientInnen stellte der Niederösterreichische Patienten- und Pflegeanwalt Dr. Gerald Bachinger in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Diese sind unter anderem auch in der seit 2004 in Österreich geltenden Patientencharta vorbildlich festgeschrieben. Kritisch setzte sich Dr. Bachinger mit dem Euro Health Consumer Index auseinander, wo Österreich als „Europameister“ dargestellt wird. Fakt ist, dass sich dort die Qualitätsbewertungen auf weitgehend willkürliche Qualitätsindikatoren stützen und diese anhand nicht nachvollziehbarer Daten ohne Miteinbeziehung der Patientenvertretungen erstellt wurden. Besonders eindrucksvoll waren Bachingers Beispiele von Arztbriefen und ärztlichen Anordnungen aus der Praxis der Patientenanwaltschaft, die in einem der berichteten Fälle durch ihre mangelnde Strukturierung und Eindeutigkeit sogar zum Tod der betroffenen Patientin geführt hatten. Trotz einiger sehr positiver Aktivitäten in Österreich sieht Dr. Bachinger noch viel Potenzial für die Einführung und Verbesserung der systematischen Qualitätsarbeit in unserem Gesundheitswesen.

 

SchögglIn einer abschließenden Podiumsdiskussion unter der Leitung von Dr. Patrick A. Schöggl, Manager für den Bereich Health Care bei act MC, wurden von hochrangigen Experten des Österreichischen Gesundheitswesens die Qualitätsziele und vor allem die Wege zu deren Erreichung nochmals kritisch hinterfragt.

 

Dr. HartlDr. Friedrich Hartl, Vertreter der österreichischen Ärztekammer, überraschte mit seiner kritischen Sicht von Qualitätsstandards sowohl in Form von Kennzahlen als auch in Form von Handlungsrichtlinien. Messzahlen würden zu einer einseitigen Handlungsausrichtung an den jeweils gemessenen Kriterien und damit letztlich auch zu Nachteilen für die PatientInnen führen. Handlungsrichtlinien wiederum bewirken eine Abwertung der ärztlichen Erfahrung zugunsten eines Dienstes nach Vorschrift. Beides sei daher – aus Sicht der Ärztekammer – nicht im Interesse der PatientInnen. Im Einsatz solcher Methoden einer evidenzbasierten Medizin sieht Dr. Hartl keinen Mehrwert für ÄrztInnen und PatientInnen.

 

Dr. ProbstDr. Josef Probst, stv. Generaldirektor des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungen, betonte, dass hohe Qualitätsstandards in allen Bereichen der medizinischen Versorgung für die Sozialversicherungen essenziell sind. Dafür seien überprüfbare Ziele unverzichtbar. Auch die Zugänglichkeit von dokumentierten Best-Practices sei im Gesundheitswesen genauso wie in anderen Berufsgruppen unverzichtbar. Durch Analogien brachte Dr. Probst pointiert den Mehrwert von Leitlinien inkl. evidenzbasierter Medizin auf den Punkt.

 

Dr. BrunnerAuch Univ.-Prof. Dr. Gernot Brunner, ärztlicher Direktor des LKH-Univ. Klinikum Graz betonte aus seiner langjährigen Erfahrung als klinisch tätiger Arzt und als Leiter der zweitgrößten Klinik Österreichs die Schlüsselstellung von Qualitätszielen und –standards. Erst der Rückgriff auf dokumentierte Standards schafft den notwendigen Freiraum für den Einsatz der medizinischen Erfahrung im jeweiligen Einzelfall. Das Zusammenspiel von Standards mit der persönlichen Erfahrung ergibt demnach den höchstmöglichen Qualitätsstandard, auf den jede Patientin Anspruch hat.

 

Baumer, MPHEva-Maria Baumer, MPH, Geschäftsbereichsleiterin des Bundesinstituts für Qualität im Gesundheitswesen (BIQG), gab einen Überblick über vielfache Bestrebungen auf Bundesebene, um qualitätsrelevante Aktivitäten und Aspekte in alle Bereiche und Sektoren des Österreichischen Gesundheitswesen zu bringen – eine echte Herausforderung in einem föderalistischen Land. Sie berichtete aber auch von einem unmittelbaren Nutzen, den sie aus dieser Veranstaltung mitnehmen werde. Die von JCI formulierten Patientensicherheitsziele sollen unmittelbar Eingang in das Konzept zur Qualitätsstrategie im Gesundheitswesen finden. 

 

Nach der Podiumsdiskussion kam es bei kulinarischer Begleitung und im künstlerischen Umfeld zu einem regen Austausch von Ideen und Ansichten rund um das Thema. Ein Teilnehmer brachte dabei die Frage von Richtlinien und Standards auf den Punkt: „Würden Sie in ein Flugzeug steigen, dessen Wartungspersonal und dessen Piloten nach eigenem Gutdünken handeln ...“

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